Verkehrsoptimierung in Aarhus (Dänemark) mittels Bluetooth

Von News Editor / Aktualisiert: 31 Aug 2015

Die Politik ist fortwährend bestrebt, die Leistungsfähigkeit der Verkehrsträger zu steigern und Schwachpunkte zu beseitigen. Dazu benötigt sie wirksame Kontrollmethoden. Aus diesem Grund beschloss die dänische Stadt Aarhus im Jahr 2011, ein hochmodernes Verkehrsüberwachungssystem auf Bluetooth-Basis auf seine Verwendungsmöglichkeiten bei der Ausarbeitung von Lösungen für innerstädtische Verkehrsprobleme zu testen. Inzwischen sind in allen Teilen der Stadt über 130 Anlagen dieser Art in Betrieb.

Context 
 

Die Hafenstadt Aarhus liegt in der geografischen Mitte Dänemarks und ist die zweitgrößte Stadt des Landes. Knapp 260.000 ihrer 323.000 Einwohner leben im eigentlichen Stadtgebiet; der Großraum Aarhus umfasst sogar 1,2 Millionen Einwohner. Den größten Anteil am innerstädtischen Verkehr verbuchen mit 52 Prozent das Auto und andere Kraftfahrzeuge, aber der Anteil nachhaltiger Verkehrsmittel ist in der Summe beinahe ebenso groß: 20 Prozent der Bevölkerung gehen zu Fuß, 16 Prozent fahren Rad und 10 Prozent nutzen öffentliche Verkehrsmittel.

Anfangs zog man zur Verkehrslenkung in Aarhus herkömmliche Methoden wie etwa die automatische Nummernschilderkennung in Erwägung, doch schien sich die Bluetooth-Technik als kostengünstigere Alternative anzubieten. Nach anfänglicher Skepsis entschied man sich, die Technik schrittweise einzuführen und unterschiedliche Systeme zu erproben.

WAS IST BLUETOOTH?  Bluetooth ist eine Funktechnik für die Datenübertragung über kurze Distanz. Sie wurde im Jahr 1994 im Auftrag des schwedischen Unternehmen Ericsson als offene Industrienorm entwickelt.

In action 

Nach einer Ausschreibung wurden die Bluetooth-Systeme dreier Anbieter zur Erprobung an zwei Ringstraßen installiert. Nach Abschluss der Erprobung entschied man sich für das Systeem BlipTrack

 der Firma BLIP Systems (Bluetooth Local Infotainment Point) und installierte es entlang der Hauptstraßen. Das BlipTrack-System besteht aus drei Bluetooth-Sensoren sowie zwei Richtfunkantennen zur Signalverstärkung. Die Sensoren erkennen die Bluetooth-Systeme von Kraftfahrzeugen und eingehende Bluetooth-Signale beispielsweise von Mobiltelefonen und Tabletcomputern. Die Entfernung zwischen den Knotenpunkten muss mindestens 500 Meter betragen; die Knotenpunkte befinden sich zwischen vielbefahrenen Straßenkreuzungen.

Zusätzlich wurden Algorithmen zur Filterung der erzeugten Daten entwickelt, um die Datenmenge zu verringern und die Datenqualität zu erhöhen. An den Hauptstraßen von der Ringstraße 1 stadtauswärts wurden Bluetooth-Datenerhebungsstellen eingerichtet. Dabei kooperierte Aarhus mit seinen zwei Nachbargemeinden für jene Erhebungsstellen, die sich an Straßen auf deren Gebiet befinden, und mit der dänischen Fernstraßendirektion für die Erhebungsstellen an überregionalen Straßen.

Die Daten werden mittels 3G-Technologie über ein lokales Netz (Local Area Network, Abk. LAN) übertragen und sicher im Internet („Cloud“) gespeichert. Dort können Verkehrstechniker und andere Nutzer über eine leicht bedienbare Schaltfläche auf sie zugreifen. Das System ermöglicht die gleichzeitige Datenerfassung an mehreren Strecken, ist wetterunabhängig und wartungsfrei und lässt sich bei fließendem Verkehr innerhalb von 15 Minuten an vorhandenen Masten installieren.

Results 

Durch Verknüpfung der erhobenen Daten lässt sich für jeden Straßennutzer ein genaues Bild (Verweildauer, Bewegungsmuster, Fahrzeiten, Start- und Zielort usw.) erstellen. Des Weiteren geben die Überwachungsdaten Aufschluss über Verkehrsaufkommen, Verkehrsfluss, Problembereiche, elektronische Verkehrszeichen und Straßenkapazität.

Challenges, opportunities and transferability 

„Wir haben jetzt eine Lösung parat, die uns bei der Tagesplanung von Nutzen ist, auch wenn wir noch viel lernen müssen“, so der Projektleiter der Stadt Aarhus, Michael Bloksgaard. Man müsse sich zunächst einmal mit der neuen Technik vertraut machen. „Bei Installation der ersten Pilotanlage hatten wir zwar viele Ideen, aber keinerlei Erfahrung mit der Technik. Am schwierigsten herauszufinden war, was machbar ist und vor allem, was nicht.“ Infolgedessen stellte Bloksgaard Regeln dafür auf, was bei der Aufstellung der Bluetooth-Datenerhebungsstellen zu beachten ist.

Eine besondere Herausforderung stellen laut Bloksgaard die Datenverwaltung und die vollständige Nutzung aller Vorteile der Technik dar. „Wir können uns die Vorteile nur dann uneingeschränkt zunutze machen, wenn wir die Verkehrsteilnehmer über Fahrzeiten informieren, unsere Infrastrukturinvestitionen nach Verkehrsaufkommen und Kostenaufwand planen sowie den zukünftigen Nutzen der Infrastrukturinvestitionen beziffern können“, so Bloksgaard.

Gegenwärtig legt man in Aarhus das Hauptaugenmerk auf den schnellen und einfachen Datenzugriff sowie auf das richtige Datenvolumen, damit die Daten auch wirklich genutzt werden. Ebenfalls große Bedeutung misst man der Datenqualität bei; sie wird einmal jährlich kontrolliert.

Die Stadt Aarhus als Eigentümerin der Daten fördert die externe Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen dadurch, dass sie sämtliche Daten auf ihrer Website für frei zugängliche Daten veröffentlicht. Die Stadt leistet finanzielle Anreize, stellt einen virtuellen Treffpunkt für die Zusammenarbeit von Anwendungsentwicklern zur Verfügung und plant weitere Maßnahmen wie etwa die Präsenzveranstaltung „Aarhus Data Drinks Meetup“ für Anwendungsentwickler. Dank dieser Vorgehensweise sind bereits zahlreiche Anwendungen unter anderem zur Verkehrslenkung entstanden.

Topic: 
Traffic and demand management
Country: 
Denmark
City: 
Aarhus
Contact: 
Michael Bloksgaard
Author: 
Daan Kuiper
04 Apr 2015
31 Aug 2015