Umweltfreundliches Modell für den Erwerb von Stellplätzen in Umeå (Schweden)

Von News Editor / Aktualisiert: 28 Jan 2015

Vor dem Hintergrund der immer dichter besiedelten und größer werdenden Stadtgebiete sind intelligente Mobilitätslösungen gefordert, während attraktive urbane Umgebungen geschaffen werden müssen. Zu diesem Zweck prüft die schwedische Stadt Umeå zusammen mit Immobilieneigentümern Wege, wie Letztere ebenfalls einen Beitrag zum Pendelverkehr leisten können, anstatt nur Parkmöglichkeiten anzubieten.

In einer einmaligen Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung, der städtischen Parkgesellschaft und der Immobilienfirma Balticgruppen wird ein neuer Ansatz zur Förderung von nachhaltigem Verkehrsverhalten erprobt. Er zielt darauf ab, die Benutzung von PKW durch Arbeitnehmer zu verringern, wobei das bestehende System des Erwerbs von Stellplätzen weiter ausgebaut und um eine zusätzliche Umweltkomponente ergänzt werden soll.

Context 

Die Bevölkerung von Umeå hat sich in den letzten 50 Jahren auf 118 000 Einwohner verdoppelt. Es handelt sich um eine der am schnellsten wachsenden Städte Schwedens in einer ansonsten dünn besiedelten Region. Durch den Straßenverkehr im Stadtverkehr hat sich die Luftqualität verschlechtert. In Zusammenarbeit mit mehreren nationalen Organisationen entwickelte die Gemeinde daher einen Plan zur Verringerung des Straßenverkehrs und der Schadstoffemissionen und zur Verkehrsflusssteuerung.

Der nachhaltige urbane Mobilitätsplan (Sustainable Urban Mobility Plan, SUMP) von Umeå wurde 2011 angenommen, und zusammen mit der Parkstrategie wird der Nachdruck auf den Ausbau des bestehenden Modells für den Erwerb von PKW-Stellflächen in Umeå gelegt. Dieses System bietet Immobilieneigentümern und -entwicklern die Möglichkeit, von der städtischen Parkgesellschaft Stellplätze zu kaufen, anstatt diese selbst bauen zu müssen. Entwickler sparen dadurch Kosten; zudem lässt sich der Verkehr steuern und die Effizienz und Kontrolle der Parkplatzerweiterung in der Stadt kann ohne zusätzliche Kosten für die Gemeinde verbessert werden.

In action 

Derzeit sind Immobilienentwickler in Umeå verpflichtet, eine bestimmte Zahl von Stellflächen für PKW bereitzustellen, um eine Baugenehmigung zu erhalten. Nach dem einzigartigen „umweltfreundlichen Modell für den Erwerb von Stellplätzen“ müssen die Entwickler in Umeå jetzt 40 Prozent weniger Stellplätze bauen, wenn sie sich im Gegenzug verpflichten, sich darum zu bemühen, das Fahrverhalten von Mietern zu ändern und ihre PKW-Nutzung um 40 Prozent zu verringern.

Im Februar 2012 wurde ein Vertrag zwischen einem kommunalen Immobilieneigentümer und -entwickler, Balticgruppen AB, und der Stadt über eine Pilotmaßnahme im Rahmen eines umweltfreundlichen Modells für den Erwerb von PKW-Stellplätzen in Forsete unterzeichnet – eine Neuentwicklung von 60 000 m2 mit Büros, Geschäften und Wohnungen. Der Vertrag legt der Stadt und dem Immobilieneigentümer die Verpflichtung auf, unter Arbeitnehmern in der Immobilie nachhaltiges Verkehrsverhalten zu fördern. Das Engagement der Stadt und der städtischen Parkgesellschaft liegt darin,

  • abweichend von bestehenden Baunormen Balticgruppen AB die Genehmigung einzuräumen, bei ihrer Neuentwicklung 40 Prozent weniger PKW-Stellplätze bereitzustellen;
  • einen Fonds für öffentlichen Verkehr zu verwalten.

Der Immobilieneigentümer verpflichtet sich,

  • zu einem Fonds für öffentlichen Verkehr beizutragen, der Arbeitnehmern Anreize für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel gewährt. Geplant ist ein Rabatt von 20 Prozent auf Monatsabos für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel über einen Zeitraum von 25 Jahren;
  • Sonderparkmöglichkeiten für Radfahrer anzubieten, zum Beispiel beheizte Garagen in Kombination mit Fahrradreparaturstellen und Umkleideräumen;
  • ein Carsharing-System vor Ort einzurichten, entweder als privates oder gewerbliches Modell;
  • einen Kommunikationsplan zu entwickeln, um neue Formen von nachhaltiger urbaner Mobilität zu fördern. Der Immobilieneigentümer oder Mieter (Arbeitgeber) teilen mit, welche Kommunikationsaktivitäten von wem, wann und auf welchem Weg ausgeführt werden und wie sie kontrolliert werden.
Results 

Die Bewertung des umweltfreundlichen Pilotprojekts für den Erwerb von PKW-Stellplätzen,  das bis 2015 läuft, besteht aus drei Teilen:  

  1. Messung eines Ausgangswerts;
  2. Ermittlung des gesamten Potenzials des umweltfreundlichen Modells für den Erwerb von PKW-Stellplätzen mit möglichen Ergebnissen und
  3. eine abschließende Messung von Ergebnissen, nachdem alle Aktionen am Standort des Pilotprojekts durchgeführt wurden.

Teil eins und zwei sind abgeschlossen, drei Teile stehen noch aus.

Die Berechnung möglicher Auswirkungen zeigen, dass Immobilieneigentümer beim Kauf von Parkplätzen bis zu 10 Prozent der Kosten von 13 500 EUR pro Stellplatz sparen können. Um das volle Potenzial des Erwerbs von Stellplätzen zu berechnen, wurde in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsberater Trivector Traffic ein Bewertungsmodell entwickelt. Die Berechnungen des Modells beruhen auf den bekannten Effekten des Erwerbs von PKW-Stellplätzen, den lokalen Bedingungen, Pendlerverhalten und Verhaltensaspekten.

Zu den Ergebnissen der Nutzung des Modells gehören Veränderungen im Modal Split für Arbeitnehmer, die in der Anlage arbeiten, sowie ein Rückgang der CO2-Emissionen und des Energieverbrauchs. Das Modell kann als Prognoseinstrument genutzt werden, um das Potenzial für den Erwerb von Stellplätzen für eine bestimmte Immobilie abzuschätzen und mit den tatsächlichen Ergebnissen zu vergleichen.

Das Ergebnis des Modells für Forsete hat gezeigt, dass durch eine vollständige Umsetzung der umweltfreundlichen Lösung bis zu 41 Prozent der PKW-Nutzung auf Carpooling verlagert werden können. Derzeit ist noch nicht bekannt, wie viele Mitarbeiter an der Entwicklung beteiligt sein werden; es ist daher schwierig, genaue Zahlen vorzulegen. Das Hauptziel des Vertrags über den Erwerb von PKW-Stellplätzen – den Anteil der PKW-Fahrten um 40 Prozent zu verringern – ist jedoch eine realistische Vorgabe.

Elin Pietroni von der Stadtverwaltung Umeå hält die potenziellen Ergebnisse für viel versprechend: „Es ist von großem Vorteil, einen ganzheitlichen Ansatz zu nutzen und eine umfassende Lösung mit umweltfreundlichen Maßnahmen für eine Immobilie zu entwickeln“. Sie weist darauf hin, dass „Einzelaktionen oder die Unterscheidung von Investitionen in Infrastruktur von Messungen über Verhaltensaspekte nicht die gleichen Möglichkeiten bieten“. 

Challenges, opportunities and transferability 

Das umweltfreundliche Modell des Erwerbs von Stellplätzen ist für beide Seiten von Nutzen. Die Immobilie erhält ein modernes Markenzeichen und Anreize zur Förderung der nachhaltigen urbanen Mobilität, während Umeå von der Entwicklung einer nachhaltigen Stadt profitiert, in der Arbeitnehmer immer weniger auf das Auto angewiesen sind.

„Alle am Modell mitwirkenden Parteien müssen Zeit und Energie investieren, damit es ein Erfolg wird“, betont Pietroni. „Entscheidend ist aber die Kommunikation des Immobilieneigentümers mit den Mietern, etwa die Förderung der Umwelteigenschaften der Immobilie durch regelmäßige Informationen, Kampagnen und Veranstaltungen für Arbeitnehmer in der Immobilie, um neue, nachhaltige Verkehrsalternativen zu erproben.“

Wie Pietroni ferner betont, kommt es auch darauf an, dass der Immobilieneigentümer die Angelegenheit aus echtem Interesse und nicht nur unter dem Gesichtspunkt von möglichen Einsparungen verfolgt. Der Betrag, der eingespart werden kann, hängt davon ab, wie viel der Immobilieneigentümer in nachhaltige Alternativen für die PKW-Benutzung investiert. Die Stadt geht davon aus, dass durch den Kauf von Parkplätzen bis zu 10 Prozent der Gesamtkosten für die Parkraumbewirtschaftung eingespart werden können. Immobilieneigentümer mit umfangreicheren oder mehreren Projekten können daher größere Einsparungen erzielen.

Umeå sieht sich ferner Problemen mit der bestehenden schwedischen Steuergesetzgebung konfrontiert. Der Fonds für öffentlichen Verkehr, der Pendlern Anreize zur Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs und Arbeitnehmern für nachhaltige Parkplätze bietet, gilt als steuerlicher Vorteil. Die Stadt Umeå und die städtische Parkgesellschaft wandten sich diesbezüglich an die nationale Steuerbehörde und warten derzeit auf ein Urteil. 

Topic: 
Urban mobility planning
Traffic and demand management
Region: 
Northern Europe
Country: 
Sweden
City: 
Umeå
Contact: 
Elin Pietroni
Author: 
Jan-Willem Van Der Pas
22 Oct 2014
28 Jan 2015