Sydneys zukunftsweisendes System für barrierefreie Fußgängerverkehrszeichen (Australien)

Von News Editor / Aktualisiert: 25 May 2015

Mit seinem warmen Klima, seiner dichten und kompakten Struktur und dem relativ ebenen Gelände ist Sydney ein Paradies für Fußgänger. Das städtische System der Fußgängerverkehrszeichen hilft Bewohnern und Touristen, einschließlich Personen mit Sehbehinderungen und eingeschränkter Mobilität, sich in der Stadt zurechtzufinden.

Sydney möchte jedoch, dass mehr Menschen zu Fuß gehen. Eine vor kurzem durchgeführte Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Stadt ihre ‚Orientierungsinfrastruktur‘ verbessern muss, damit sich die Zahl der Fußgänger erhöht. Derzeit wird in Sydney ein neues Netz aus Verkehrszeichen entwickelt und getestet, um das weltweit größte barrierefreie Orientierungssystem zu schaffen.

Context 

Im Lokalen Verwaltungsgebiet Sydney (ca. 26 km²) gehen 28 Prozent aller Erwerbstätigen zu Fuß zur Arbeit. Über 92 Prozent aller Wege in das Stadtzentrum werden zu Fuß zurückgelegt. Im langfristigen Verkehrsentwicklungsplan der Stadt wurde Zufußgehen als entscheidendes Verkehrsmittel hervorgehoben.

Der von der Stadtverwaltung in Auftrag gegebene Bericht über die Strategie für die Entwicklung eines gut verständlichen Orientierungssystems in Sydney (Legible Sydney Wayfinding Strategy Report) empfiehlt eine Überprüfung und Verbesserung der Orientierungsstrategie für Fußgänger, damit sich mehr Menschen für dieses Verkehrsmittel entscheiden. In einer Bewertung der Bedingungen für die Fußgängerorientierung in Sydney wurden jedoch zahlreiche Hindernisse festgestellt. Die mangelnde Koordinierung zwischen den verschiedenen Orientierungssystemen, überholte Informationen und die Barrierefreiheit von Orientierungssystemen für Menschen mit eingeschränkten Fähigkeiten gehörten zu den Punkten, bei denen Handlungsbedarf besteht.

Die neue Strategie wurde im Dezember 2012 angenommen. Im Oktober 2014 startete Sydney ein Pilotprojekt, um die neuen Verkehrszeichen und die zu diesem Zweck geschaffene Infrastruktur zu testen.

In action 

Das neue Orientierungssystem basiert auf vier Leitprinzipien: Einheitlichkeit, Barrierefreiheit, Nachhaltigkeit und Orientierungsfreundlichkeit in der Stadt. Anhand dieser strategischen Kriterien wurden folgende Verkehrszeichen entworfen:

Masten

  • An den Masten sind Informationstafeln mit Telefonnummern und Websites sowie mit in Brailleschrift angegebenen, ertastbaren Kontaktnummern und Ortsangaben installiert.

Fahnenwegweiser

  • Fahnenwegweiser helfen bei der Orientierung durch ähnliche/gleiche Ortshinweise und Richtungsangaben wie bei Masten. Sie werden entweder zusätzlich zu Masten – oder falls Masten nicht geeignet sind – angebracht.

Fingerzeichen

  • Fingerzeichen finden dort Anwendung, wo eine Orientierung aus größerer Entfernung notwendig ist und an Entscheidungspunkten nur wenige Strecken zur Auswahl stehen.

Ertastbare Informationen

  • Schilder in der Nähe von Druckknöpfen an Fußgängerampeln, die von Blinden durch Ertasten und Sehbehinderten aus sehr naher Entfernung gelesen werden können.

Stadtteilpläne

  • Stadtteilpläne werden an frei stehenden oder einer Wand installierten Masten angebracht. Sie werden auch individuell an Eingängen/Ausgängen von Verkehrsknotenpunkten, bedeutenden Zielen, Verkehrseinrichtungen wie zum Beispiel Bushaltestellen, Telefonkabinen, Fremdenverkehrsbüros und Kiosken ausgehängt.

Zielpunkt-Kennzeichnungen

  • Signalgebung an einem Zielpunkt, wie zum Beispiel an einem großen Park, öffentlichen Gebäude oder Platz. Zeigt den Namen des Zielpunkts und entsprechende austauschbare Informationen an.

Zielpunkt-Kennzeichnungen

  • Zur Identifikation eines Ortes, eines Platzes oder einer Strecke. Frei stehend oder in der Nähe von Masten. Abbildungen beidseitig.

Zur leichteren Erkennbarkeit der Schilder werden einheitliche Farben und Grafiken verwendet. Die Einbindung des Logos der Stadt Sydney ist ein ständiger Garant für Qualität, Management und Eigentum des Systems, und die Typografie wurde speziell für sehbehinderte Nutzer gestaltet.

Die Informationen sind logisch aufbereitet sowie schnell und leicht verständlich dargestellt, wobei universelle Symbole und international anerkannte Piktogramme nicht englischsprachigen Besuchern als Orientierungshilfe dienen. Nachhaltigkeit ist ebenfalls ein wichtiger Faktor: Die Kennzeichnungen lassen sich mühelos warten und verfügen über eine sehr lange Nutzungsdauer. Die Beschilderung ist modular aufgebaut: Kleinere Komponenten lassen sich mühelos aktualisieren, ohne dass das Schild komplett ausgetauscht werden muss.

 

Results 

Im Oktober 2014 startete Sydney ein Pilotprojekt mit Prototypen von Schildern an speziell ausgewählten Orten. Aus diesem Anlass wurden auch die alten Schilder entfernt, um Verwirrungen zu vermeiden. Die Stadtverwaltung wartet die Ergebnisse der Pilotstudie ab, bevor das System an anderen Orten eingesetzt wird. Das erste Feedback war sehr positiv. Nach überzeugenden Ergebnissen und Abschluss der Ausführungsspezifikationen wird das Projekt für die vollständige Umsetzung, bei der ungefähr 2 200 Schilder installiert werden, bereit sein.

Sydney hat für dieses Projekt 8 Mio. AUD (5,68 Mio. €) bereitgestellt und sich für die Vollendung des Projekts eine Frist von 10 Jahren gesetzt. Die Oberbürgermeisterin von Sydney Clover Moore ist davon überzeugt, dass es durch das Orientierungssystem leichter wird, den Weg durch die Stadt zu finden. „Wir wollen, dass Zufußgehen eine positive Erfahrung für alle wird“, sagte sie. „Orientierung ist eine entscheidende Stufe unseres Vorhabens, eine Stadt zu schaffen, in der alle einfach und bequem zu Fuß unterwegs sein können.

Die Infrastruktur wird bedeutende wirtschaftliche, ökologische und gesundheitliche Vorteile bringen. Lokale Unternehmen werden vom zunehmenden Fußgängerverkehr profitieren. Außerdem werden die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen gestärkt und die Verkehrsbelastung wird reduziert, wenn mehr Menschen ermutigt werden, zu Fuß zu gehen.“

Sydney rechnet damit, dass das Orientierungssystem in der Innenstadt 2015 eingerichtet wird – eine entscheidende Phase der Projekteinführung, da dort eine hohe Konzentration von Zielpunkten vorhanden ist. 

Challenges, opportunities and transferability 

Das neue System ist einfach, funktional und kosteneffizient. Es lässt sich leicht auf andere lokale Gebietskörperschaften in der ganzen Welt übertragen. Entscheidend für den Erfolg dieses Systems ist eine einheitliche Anbringung und Kommunikation – eine Schlussfolgerung, die von der Stadtverwaltung in Sydney nach Beratungen mit den gemeinnützigen Blindenvereinen Vision Australia und Guide Dogs NSW gezogen wurde. Nur an wenigen Stellen kann keine ertastbare bzw. Braille-Kennzeichnung angebracht werden.

Als Lokales Verwaltungsgebiet ist die Stadt Sydney nicht mit den notwendigen Kompetenzen ausgestattet, um dieses Projekt über ihre Grenzen hinaus umzusetzen. Daher kann die Schaffung eines kohärenteren Orientierungssystems in einer größeren Verwaltungseinheit eine Herausforderung darstellen. Dank kräftiger Unterstützung durch die Benutzer des Systems und die Menschenrechtskommission wird damit gerechnet, dass andere Städte in Australien und weltweit ähnliche Systeme einführen werden.

Die Strategie für die Entwicklung eines gut verständlichen Orientierungssystems in Sydney (Legible Sydney Wayfinding Strategy) und der Planungsleitfaden stehen anderen Kommunen zur Nutzung offen. Sie können hier heruntergeladen werden.

Topic: 
Walking and cycling
Region: 
Non-europe
Country: 
Australia
City: 
Sydney
Contact: 
Ruth Leiminer
Author: 
Daan Kuiper
16 Jan 2015
25 May 2015