Nachhaltige Stadtentwicklung in Kunming, China

Von News Editor / Aktualisiert: 22 May 2015

Das chinesische Kunming hat einen Master Plan erstellt, welcher nachhaltigen, städtischen Verkehr zum Ziel hat. Der Plan wurde unter Zusammenarbeit mit der schweizerischen Bundesregierung, der Agentur für Entwicklung und Zusammenarbeit, der Stadt Zürich, dem ORL-Institut an der Eidgenössischen Technischen Hochschule und Chinas Zentralregierung aufgestellt. Ein breites Spektrum von Maßnahmen umgesetzt, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Der Master Plan gilt als eine Art „Vorzeigeprojekt“, um von anderen chinesischen Städten übernommen zu werden.

Hintergrund & Anliegen

Die chinesische Industrialisierung findet vor allem auf Kosten der Umwelt insbesondere im städtischen Raum statt. Kunming ("Stadt des ewigen Frühlings") befindet sich im südlichen Teil von China und ist Hauptstadt der Provinz Yunnan mit einer städtischen Bevölkerung von etwa 1,5 Millionen Menschen sowie einem Stadtgebiet von 110 km ² im Jahr 1994. Wie die meisten Metropolen Chinas, war großen Einwanderungswellen aus ländlichen Gebieten ausgesetzt. Die Bevölkerung stieg auf 3,2 Millionen Menschen im Jahr 2009. Die Bevölkerungsexplosion intensiviert Verkehrsprobleme und macht neue, alternative Verkehrskonzepte notwendig. Im Jahr 1982 wurde eine Partnerschaft zwischen Kunming und Zürich geschlossen, um auf die schlechte Wasserversorgung und Entwässerungssysteme hinzuweisen. Die Verbindung blieb darüber hinaus bestehen bis 1993 die Stadtentwicklungsbehörde Kunmings einen Masterplan aufstellte, um die Umwelt zu schützen und zu zeigen, wie Umweltbelastungen auch in Schwellenländern verringert werden können.

Die Ziele des Master Plans:
• Wohngebiete so planen, dass die Verkehrsnachfrage minimiert wird
• Förderung des Radfahrens und Zufußgehens
• Entwicklung eines effizienten, bezahlbaren öffentlichen Nahverkehrs mit Vorrangschaltung
• Entwicklung von Park-und Verkehrs-Maßnahmen um Verkehrsstaus zu begrenzen
• Bestimmung von Best-Practice-Lösungen, die auch in anderen chinesischen Städten angewandt werden können

Umsetzung

Insgesamt 40 Maßnahmen aus den Bereichen städtischer Verwaltung, öffentlicher Verkehr, Umwelt und zusätzlicher Programme wurden der Stadtverwaltung präsentiert, um die genannten Ziele umzusetzen. Im Masterplan wurde beschrieben, dass die Stadt sich in einem Finger-förmigen Muster ausbreitet und die Lücken dazwischen als Grünflächen zu verwenden sind. Neue Unter-Städte sollten entstehen, um eine dichte, gemischt genutzte Struktur zu erreichen und kurze Wege in Wohngebietsnähe einzurichten. Dafür wurden eine spezielle Fußgänger-Zone und Bahn-Linien zum Zentrum entlang der Unter-Städte eingerichtet. Der alte / historische Stadtkern Kunmings wurde zu einem geschützten Bereich erklärt und ein Büro zur historischen Stadterhaltung 2000 gegründet. Das im Masterplan veranschlagte öffentliche Verkehrsnetz ist stark Bus-orientiert, weshalb es eine extra Bus-Spur gibt (die erste reine Busspur in China). Neben dem Busverkehr unterstützt Kunming den Bau von Hochgeschwindigkeitszugstrecken. Bis zum Jahr 2015 soll die neue Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Kunming und Shanghai fertiggestellt sein. Zusätzlich>

zu den genannten planerischen Maßnahmen, besuchten chinesische Experten europäische Städte sowie Seminare und Diskussionen zur Stadtentwicklung, um mehr über die Organisation von Stadtbahnen und Fahrrad-/ Fußgänger-Infrastruktur zu lernen. Die Zusammenarbeit von schweizerischen und insbesondere chinesischen Experten garantierte eine hohe Integration mit dem Projekt.

Vor allem das Herstellen eines sinnvollen Zusammenspiels von wirtschaftlichen-, ökologischen- und sozialen Werten, erwies sich als eine der größten Herausforderungen. Schwierig bei Kunmings Stadtentwicklung ist auch, dass die chinesische Zentralregierung noch immer über alle Projekte auch auf lokaler Ebene entscheidet. Das kann unter Umständen bedeuten, dass seit Jahren laufende Projektplanungen in letzter Sekunde doch noch verhindert werden. Kunmings rasantes Wachstum im Verkehrssektor (beispielsweise zwischen 2000 und 2004 betrug die jährliche mittlere Wachstumsrate im Bus-Personenverkehr 11,5%) macht eine nachhaltig-gewachsene, städtebauliche Philosophie fast unmöglich. Die heutige Planung in Kunming gestalte sich in 3 Jahres-Plänen. Ein Missionsbericht wurde im Januar 2010 und ein Evaluierungsbericht soll mit Hinblick auf die künftige Stadtentwicklung veröffentlicht werden. Höchste Prioritäten werden zukünftig den Verbindungen von Süd-und Nordbahnhof, der Erreichbarkeit des Flughafens mit der Metro und der Transit orientierten Stadtplanung gelegt (siehe Missionsbericht im Anhang).

Fazit

Bis zur heutigen Zeit hat die internationale Partnerschaft Kunmings mit Zürich großen Erfolg bei der verkehrlichen- sowie planerischen und wassertechnischen Neugestaltung Kunmings. Es scheint ein mustergültiges Projekt der Zusammenarbeit von Industrie- und Schwellenländern zu sein. Insbesondere ist es eine gute Möglichkeit, die Fehler der früheren Planung innerstädtischer Mobilität in Entwicklungsländern in Kunming zu vermeiden. Ebenfalls können Stadtplaner aus entwickelten Ländern, von der Mobilität in dicht gedrängten, lokalen Gebieten lernen. Nicht selten entstanden Freundschaften zwischen chinesischen und schweizerischen Experten. Dafür ist aber entscheidend, Verständnis für die lokale Kultur zu entwickeln, um abschätzen zu können, welche Strategien leicht und welche nicht umzusetzen sind. Das Projekt hat somit unmissverständlich zu einer guten internationalen Verständigung und zu positiven zwischenstaatlichen Beziehungen (China-Schweiz) beigetragen.

Quelle u.a.: http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/4239.pdf

Bild-Quelle: -Eberhard, Scheidegger, Thoma, "Kunming Mission Report: Stadtplanung und Verkehr", 22.01.2010

Topic: 
Collective passenger transport
Mobility management
Urban mobility planning
Archive
Region: 
Non-europe
Country: 
China
City: 
Kunming
Contact: 
News Editor
Author: 
Sebastian Langer
Keywords: 
transport master plan
04 Jun 2012
22 May 2015