Die Stadt Madrid an ihre Bürger zurückgeben (Spanien)

Von News Editor / Aktualisiert: 28 Jan 2015

Madrid entwickelte seinen Plan für nachhaltige urbane Mobilität (Sustainable Urban Mobility Plan, SUMP), in dem die Gesamtziele der Stadt bis 2020 festgelegt sind. Diese Ziele umfassen die Förderung der Umweltqualität, der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit, der Sicherheit im Straßenverkehr und des ganzheitlichen Charakters des städtischen Mobilitätsmodells. Im SUMP sind die stadtpolitischen Prioritäten festgelegt, es werden künftige Szenarien skizziert und die für ihre Umsetzung notwendigen Überlegungen  aufgezeigt.

Mit diesem Plan soll die Stadt wieder an ihre Bürger zurückgegeben werden, die sie an den Autoverkehr verloren hatten. Der öffentliche Personennahverkehr soll flexibler und umfassender gestaltet werden, während durch die attraktivere Gestaltung von Straßen unter Berücksichtigung von Gesundheitsaspekten die aktive Mobilität gefördert werden soll.

Context 

Mit ungefähr 3,23 Millionen Einwohnern (5294,5 Einwohner pro km²) ist Madrid die bevölkerungsreichte Stadt Südeuropas und die drittgrößte Stadt der Europäischen Union. In der Metropolregion leben über 6,5 Millionen Menschen.

Die Stadt ist bekannt für ihre breiten Alleen und vier bedeutende Ringstraßen, die durch ein kreisförmiges Straßennetz verbunden sind. Madrid verfügt jedoch auch über ein ausgedehntes öffentliches Nahverkehrssystem: ein 293 km langes U-Bahn-Streckennetz  und neun Pendelzüge mit 89 Bahnhöfen verbinden die Metropolregion mit der Stadt, in der sich über 13 größere Verkehrsknotenpunkte befinden. Das städtische Busnetz – mit 200 Buslinien auf insgesamt ungefähr 775 km – deckt Gebiete ab, die von der U-Bahn nicht erreicht werden. Die 1 560 Elektrofahrräder des öffentlichen Fahrradsystems und Car-Sharing-Dienste sorgen für zusätzliche Flexibilität im Nahverkehr.

43 Prozent der städtischen Gesamtfläche ist Fußgängern vorbehalten; 42 Prozent der Bürger benutzen öffentliche Verkehrsmittel, 29 Prozent gehen zu Fuß und 29 Prozent benutzen PKW. Trotz des bereits positiven Modal Split zielt der SUMP von Madrid darauf ab, die Benutzung von privaten PKW zugunsten öffentlicher Nahverkehrsmittel und aktiver Verkehrsmittel zu verringern, um die negativen Auswirkungen des Straßenverkehrs zu reduzieren und die Lebensqualität der Bürger zu verbessern.

In action 

Der SUMP basiert auf der Arbeit des Mobilitätsgremiums der Stadt Madrid, eine partizipatorische Einrichtung, die eine Vision für das nachhaltige Mobilitätsmodell der Stadt entwickelte, die von wichtigen Akteuren (z. B. politische Oppositionsparteien, Gewerkschaften, Handelskammer, Anwohnervereinigungen und die Verkehrsbehörde) geteilt und einvernehmlich aufgegriffen wurde.

Zur Ausarbeitung des Plans wurde eine umfassende Diagnose der aktuellen Mobilitätssituation in Madrid durchgeführt, einschließlich einer Analyse des Angebots und der Nachfrage mit Blick auf das Jahr 2020.

In diesem Plan wurden die Ziele des Mobilitätsgremiums anhand dieser Diagnose angenommen und die Aufzeichnungen und der strategische Rahmen des SUMP in Betracht gezogen. Das Mobilitätsgremium benutzt einen partizipatorischen Prozess für die qualitative Analyse der Diagnose und die strategischen Handlungsansätze des Plans. Auf diesem Weg können potenzielle Schwachstellen im System erkannt und Fortschritte bei der Durchführbarkeit und Erwünschtheit der potenziellen Maßnahmen ermittelt werden.

In dem Plan wurden drei Schwerpunkte identifiziert:

  • Verringerung des Anteils der weniger effizienten Mobilität
  • Stärkung der nachhaltigen Verkehrsmittel
  • Verbesserung des gesamten Mobilitätssystems

Auf der Grundlage des Berichts über die Mobilitätslage in Madrid wurde ein jährlicher Kontrollmechanismus eingerichtet. Ausführlichere Bewertungen sind für 2017 und 2010 vorgesehen.

Results 

In dem Plan werden 95 spezifische Maßnahmen empfohlen, um (bis 2020) eine Verringerung des Stadtverkehrs um fast sechs Prozent zugunsten der Fußgängermobilität, des Radfahrens und des öffentlichen Personennahverkehrs zu erreichen.

Die Einführung eines intelligenten regulierten Parkdienstes (Servicio de Estacionamiento Regulado, SER), der Ausbau des Radwegenetzes, die Einführung alternativer Methoden zur Parkraumbewirtschaftung, die Einrichtung separater Busspuren und die Umsetzung technologischer Lösungen für die Verkehrssteuerung in Ein- und Ausstiegsbereichen gehören zu den bedeutendsten Maßnahmen.

Durch die Verringerung des PKW-Verkehrs wird der SUMP für mehr Komfort für die Bürger und eine Verbesserung ihrer Lebensqualität sorgen. Die Stadt Madrid rechnet damit, dass nach Umsetzung der geplanten Maßnahmen täglich 3,2 Millionen Kilometer weniger mit dem Auto zurückgelegt werden. Dies entspricht einer Verringerung der CO2-Emissionen um 135 000 Tonnen, der von NOx um 26 Tonnen und der von Feinstaub der Partikelgröße PM2.5 um 26 Tonnen.

Madrid erwartet, dass bis 2020 ungefähr 130 000 zusätzliche Fahrten pro Tag zu bewältigen sein werden (das entspricht einem Anstieg von 3,5 Prozent). Der Plan sieht vor, diesen steigenden Bedarf durch nachhaltige Verkehrsmittel zu decken, um die zusätzliche Verkehrsüberlastung der Stadt zu vermeiden.

Maßnahmen, die den Anteil des PKW-Verkehrs zugunsten anderer Verkehrsmittel senken, sollen den Anteil des öffentlichen Nahverkehrs von 42 auf 45 Prozent erhöhen. Der Anteil der aktiven Mobilität, wie Zufußgehen und Radfahren, wird von 29 auf 32 Prozent steigen. Der Anteil der täglichen Fahrten mit dem PKW wird infolgedessen von derzeit 29 Prozent auf 23 Prozent zurückgehen.

Challenges, opportunities and transferability 

Dieser Plan stellt bedeutende Herausforderungen dar, wie die Entwicklung eines lokaleren, menschengerechteren sozialen urbanen Raums, in dem die Menschen einer Metropolregion, in der täglich Millionen von Fahrten zurückgelegt werden und erreichbar und wirtschaftlich effizient bleiben muss, sich wohl fühlen können.

Die spezifischen Herausforderungen liegen darin, die Umweltqualität der Stadt zu erhöhen und das Verkehrsaufkommen zu verringern, während gleichzeitig ein gewisser Anteil von PKW durch Verkehrssteuerung und Organisation des Straßenverkehrs gewährleistet bleibt. Die Steigerung der Betriebsgeschwindigkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln stellt eine weitere Herausforderung  – insbesondere außerhalb der M-30 (Autobahnring um die zentralen Bezirke von Madrid) – dar, ebenso wie die Effizienzsteigerung der Güterverteilung im Stadtgebiet.

Stadtbeamte weisen jedoch auch darauf hin, dass dieser Plan die Möglichkeit bietet, den Bürgern wieder Flächen zurückzugeben, indem für einen möglichst großen Freizeitcharakter von Straßen und öffentlichen Plätzen gesorgt und die Möglichkeit vorgesehen wird, das soziale und natürliche Kapital für die Einwohner von Madrid zu erhöhen, die weiterhin in einer pulsierenden und gesunden, wettbewerbsfähigen Stadt mit hohem Komfort leben möchten.

In Depth 
Topic: 
Urban mobility planning
Region: 
Southern Europe
Country: 
Spain
City: 
Madrid
Contact: 
Paz Valiente Calvo
Author: 
Marco Valerio Salucci
07 Oct 2014
28 Jan 2015