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Schaffung eines modernen intermodalen Verkehrsknotenpunkts in Gent (Belgien)

Von News Editor / Aktualisiert: 26 May 2015

Gent-Sint-Pieters ist ein 100 Jahre alter Bahnhof mit täglich 50 000 Besuchern. Da immer mehr Menschen den Bahnhof benutzen, wird er derzeit zu einer modernen multimodalen Drehscheibe umgebaut, wo die Reisenden bequem und mühelos umsteigen können, um den Zug, den Bus, die Straßenbahn oder das Fahrrad zu benutzen. Die Umbauten umfassen die Renovierung des Bahnhofs, die Integration einer Straßenbahnhaltestelle und eines Omnibusbahnhofs, einen überdachten Fahrradabstellplatz für über 10 000 Fahrräder und eine Tiefgarage.

Context 

Die ostflämische Provinzhauptstadt Gent zählt ungefähr 250 000 Einwohner. Der Bahnhof Gent-Sint-Pieters befindet sich an der Schnittstelle zweier wichtiger Bahnverbindungen, die von Lille (Frankreich) nach Antwerpen und von der belgischen Küste nach Brüssel führen.

In Gent benutzen 48 Prozent der Verkehrsteilnehmer das Auto, 22 Prozent das Fahrrad, 14 Prozent gehen zu Fuß, 6 Prozent sind Mitfahrer, 5 Prozent fahren mit dem Bus oder der Straßenbahn, 4 Prozent mit der Bahn und 1 Prozent mit dem Motorrad. Im Jahr 2007 stiegen täglich 37 000 Menschen am Bahnhof Gent-Sint-Pieters in den Zug, während es 2014 bereits 50 000 Menschen pro Tag waren. Die Zahl der Pendler, die mit dem Rad zum Bahnhof kommen, hat sich von 3 500 im Jahr 2007 auf 7 500 im Jahr 2014 erhöht.

In action 

Am Projekt zur Modernisierung des Bahnhofs sind mehrere Partner beteiligt: NMBS (SNCB) und Infrabel (Eisenbahngesellschaften), Eurostation (der Projektleiter), De Lijn (öffentlicher Verkehrsbetrieb), die Stadt Gent und die flämische Regierung. Diese Partner haben zusammen ungefähr 500 Mio. € investiert. Mit der Durchführung des Projekts wurden Partner der Privatwirtschaft beauftragt.

Die Bauarbeiten haben 2007 begonnen und werden bis 2024 andauern. Während der Baumaßnahmen wird der Bahnhofsbetrieb nicht eingestellt. Sind in einem Bereich die Arbeiten abgeschlossen, wird dieser sofort in Betrieb genommen. Es werden folgende Umbauarbeiten durchgeführt:

  • die engen Tunnel zu den Zuggleisen in der ersten Etage werden durch eine 36 000 m² große Halle ersetzt;
  • im Erdgeschoss dieser Halle werden vier Straßenbahngleise für zwei Straßenbahnen zur Verfügung stehen. Die Gleise werden auch derart angepasst, dass sie von den neuen Flexity 2-Straßenbahnen, die in den nächsten Monaten erstmalig eingesetzt werden, benutzt werden können;
  • neben der Halle wird ein neuer Omnibusbahnhof mit 12 Bussteigen gebaut, an denen jeweils zwei Omnibusse halten können. Die Bahnhofshalle wird mit Fahrkartenautomaten, Geschäften und Informationsschaltern ausgestattet;
  • bequeme Zugänge, Aufzüge und Treppen werden die Reisenden zum Park&Ride im Untergeschoss, dem Fahrradparkplatz und den Bahnsteigen bringen.
Results 

Obwohl die Modernisierung des Bahnhofs nicht vor 2024 abgeschlossen sein wird, wurden bereits einige wichtige Ergebnisse erzielt. Zum Beispiel konnte die Kapazität des Bahnhofs erhöht werden, ohne die Zahl der Gleise zu erhöhen. Durch weniger Weichen, mehr Gleise für die Verbindung nach Brügge und zur Küste und die technische Anpassung der Gleise können die Züge schneller in den Bahnhof einfahren und ihn auch schneller wieder verlassen. Durch die Erweiterung und Verlängerung der Bahnsteige können zudem größere Züge aufgenommen werden. 

Das erste neue Gleis und der erste neue Bahnsteig werden bereits benutzt. Die neue Fassade an der Südseite des Bahnhofs und die Tiefgarage für 2 700 Autos sind ebenfalls fertiggestellt, und auch die Straße, die die Umgehungsstraße um Gent mit der Tiefgarage verbindet, ist nach Abschluss der Arbeiten jetzt in Betrieb.

Ein erster Teil des überdachten Fahrradparkplatzes, auf dem fast 2 400 Fahrräder kostenlos abgestellt werden können, ist fertiggestellt. Die beiden ersten unterirdischen Kiss-and-ride-Punkte (zum Absetzen und Abholen von Fahrgästen) werden bereits genutzt. Es wird erwartet, dass in den kommenden fünf Jahren fünf Gleise fertiggestellt werden. Während der Arbeiten wird die Kommunikation mit den Besuchern und Fahrgästen über einen Infopunkt, Zusammenkünfte, die Einbeziehung von Interessengruppen, Infoblätter, die Website und Facebook gewährleistet.

Besucher, Pendler und Anwohner reagieren auf die neuen Entwicklungen sehr positiv und erklären sich mit den Veränderungen einverstanden. Das erste Gebäude ist fertiggestellt und die Beamten der flämischen Regierung, die dort arbeiten, sind mit dem Standort und dem Gebäude selbst sehr zufrieden. Die Beteiligungsprojekte werden ebenfalls begrüßt: Man ist bereit, Zeit und Ideen in die Entwicklung des Standorts zu investieren. 

Challenges, opportunities and transferability 

Da die Modernisierung eine überaus komplexe Aufgabe darstellt, war eine detaillierte Vorausplanung schwierig. Außerdem musste aufgrund der Tatsache, dass der Bahnhofsbetrieb während der Arbeiten aufrechterhalten muss, der Fertigstellungstermin von 2020 auf 2024 verschoben werden. Eine der größten Herausforderungen lag darin, den Verkehrsfluss zu steuern, da der Bahnhof von Pendlern, Anwohnern, öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Baustellenverkehr genutzt werden muss. Dieses Problem wurde dadurch gelöst, dass alle zwei Wochen Treffen unter dem Motto „Minder Hinder“ (weniger Beeinträchtigungen) stattfinden, bei denen Themen wie die Beschilderung, Veränderungen und deren Auswirkungen auf den Verkehr diskutiert werden.

Die Hauptziele der Arbeitsgruppe, an der alle Partner und das Mobilitätsreferat der Stadt Gent mitwirken, sind die Vorbeugung von Problemen, die Anpassung von Kennzeichnungen und die schnelle Reaktion auf Beschwerden. Ein Infopunkt steht ebenfalls zur Verfügung, um für die verschiedenen Nutzer (Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer) die neuen Maßnahmen bekannt zu geben und neue Karten zu veröffentlichen. Eines der wesentlichen Elemente des Projekts ist die Einbeziehung von und die Kommunikation mit Stakeholdern. Manche Bewohner lehnten die Entwicklung des Projekts ab und reichten Klage ein, weshalb sich die Baumaßnahmen verzögerten.

Das Projekt kann auf andere Länder und Städte übertragen werden, wobei jedoch zu berücksichtigen ist, dass für die Umsetzung ähnlicher Projekte mehrere Partner und eine lange Vorbereitungszeit notwendig sind. Eine frühe und kontinuierliche Kommunikation sowie die Beteiligung der Öffentlichkeit sind unerlässlich, damit das Projekt von Pendlern und Bewohnern angenommen wird. Die Partner können auf die Bedenken der Menschen durch partizipatorische Maßnahmen reagieren. So lassen sich Probleme zum Beispiel bei persönlichen Gesprächen erörtern und lösen. Es bestehen auch Initiativen, bei denen Bewohner im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen an der Gestaltung von Plätzen und dem Park mitwirken.

Topic: 
Intermodality
Region: 
Northern Europe
Country: 
Belgium
City: 
Ghent
Author: 
Saskia van Dijk
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PDF icon Project brochure (NL)5.08 MB
09 Feb 2015
26 May 2015
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