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Einführung emissionsfreier Busse in europäischen Städten

Von Sabrine Skiker / Aktualisiert: 25 May 2015

Die europäischen Städte stehen angesichts der lokalen Luftverschmutzung, der CO2-Emissionen – und der damit verbundenen gesundheitlichen Auswirkungen – und der Verkehrsüberlastung vor immer größeren Herausforderungen. Hinzu kommt, dass der Verkehr in der EU zu 95 Prozent von fossilen Brennstoffen abhängig ist. Es ist daher entscheidend, die Energiequellen zu diversifizieren, um die Sicherheit der Energieversorgung in der EU zu gewährleisten.

Das EU-finanzierte Projekt „CHIC“ (Clean Hydrogen in European Cities - Sauberer Wasserstoff in europäischen Städten) sieht die Markteinführung von Omnibussen mit Wasserstoff–Brennstoffzellenantrieben und Wasserstofftankstellen in mehreren europäischen Städten vor. Es zielt ferner darauf ab, die Technologie der brennstoffzellenbetriebenen Stadtbusse voranzutreiben, und bietet europäischen Städten eine funktionale Lösung für die Dekarbonisierung ihrer Flotten. 

Context 

Am CHIC-Projekt sind 23 Partner aus acht Ländern beteiligt: Zehn Verkehrsbetriebe, acht Industriepartner und fünf Forschungs-/Beratungsorganisationen. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf 81,8 Mio. €, von denen 25,88 Mio. € vom Gemeinschaftsunternehmen FCH-JU (Fuel Cell and Hydrogen Joint Undertaking) – einer öffentlich-privaten Partnerschaft zur Förderung der Forschung, technologischen Entwicklung und Demonstration im Bereich Brennstoffzellen- und Wasserstoffenergietechnologien in Europa – getragen werden.

Das CHIC-Projekt soll demonstrieren, dass Busse mit Brennstoffzellenantrieb bei der vollständigen Dekarbonisierung des öffentlichen Nahverkehrs in Europa eine wesentliche Rolle spielen können, vor allem wenn die Wasserstofferzeugung sauber ist. Ferner trägt das Projekt zur Verbesserung der städtischen Umwelt bei, indem die Schadstoffbelastung der Luft und die Lärmbelästigung reduziert und der Fahrgast- und Fahrerkomfort erhöht werden.

In action 

Sechsundzwanzig von FCH-JU finanzierte Brenstoffzellenbusse sind in fünf europäischen Städten in Betrieb: in Aargau (CH), Bozen (IT), London (UK), Mailand (IT) und Oslo (NO). Zehn weitere Brennstoffzellenbusse werden derzeit in anderen Partnerstädten im Rahmen separat finanzierter Projekte eingesetzt. Ferner sind neun Wasserstofftankstellen in Betrieb.

Zu den Gründen für die Teilnahme von Städten am Projekt gehört, dass diese Technologie eine langfristige Strategie in Aussicht stellt, um die Abhängigkeit von fossilen Brenstoffen zu verringern und gleichzeitig verstärkt lokale Ressourcen einzusetzen, Arbeitsplätze zu schaffen und die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Die Technologie bietet zudem Lösungen für die größten urbanen Herausforderungen (lokale Luftverschmutzung, Treibhausgas- und Lärmemissionen), während öffentliche Verkehrsträger eine Alternative zum Pkw darstellen und zur Verkehrsentlastung beitragen.

Die am Projekt teilnehmenden Städte ziehen direkten Nutzen aus den Vorführbussen, da dadurch Technologiekosten verringert und künftige Markteinführungskosten für ihre eigenen Flotten und Flotten in anderen europäischen Städten eingespart werden können. 

Results 

Die Reichweite und tägliche Einsatzzeit der Vorführbusse erfüllen die Anforderungen der Busbetreiber:

Stadt

Reichweite1

Täglicher Einsatz2

London (UK)

250-300 km

18 Stunden

Bozen (IT)

250-300 km

12 Stunden

Aargau (CH)

180-250 km

18 Stunden

Oslo (NO)

200-290 km

Bis zu 15 Stunden

Mailand (IT)

122 km

Bis zu 16 Stunden

Köln (DE)

250 km

Bis zu 10 Stunden

Hamburg (DE)

400 km

8-16 Stunden

1. Durchschnittliche Angaben, basierend auf der Tankgröße und dem durchschnittlichen Verbrauch

2. Täglicher Einsatz, abhängig von der Streckenführung (Busse wurden auch auf mehr als einer Strecke eingesetzt)

 

Gegenüber früheren Generationen von Brennstoffzellbussen liegt der Kraftstoffverbrauch um 50% niedriger, während sich die Betankungszeit auf 7 bis 20 Minuten verringert (das Tanken dauerte bislang bis zu einer Stunde). Bemerkenswert ist, dass während des Projekts keinerlei Sicherheitsmängel festgestellt wurden. Die Verfügbarkeit von Wasserstofftankstellen war ebenfalls sehr beachtlich (in der Regel über 98 Prozent). Begleitende Studien offenbarten bei den direkt oder indirekt am Projekt Beteiligten eine positive Einstellung zur Wasserstofftechnologie. Es wurde jedoch auch festgestellt, dass sich diese Akzeptanz verändern kann und wird, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden und/oder die projektinterne Kommunikation unterbrochen werden sollte.

Die Beteiligung einflussreicher und möglicherweise skeptischer Akteure von außerhalb der Wasserstoff- und Brennstoffzellenindustrie war von großem Nutzen, da ihre Sichtweise in den Dialog über die Wasserstofftechnologie einbezogen werden konnte. CHIC hat Empfehlungen für Städte entwickelt, die an der Einführung dieser Technologie interessiert sind. Es findet ein regelmäßiger Informationsaustausch über Folgeprojekte für Brennstoffzellenbusse statt.

Challenges, opportunities and transferability 

Manche Städte stießen bei den Vergabe- und Genehmigungsverfahren für Wasserstofftankstellen auf Probleme. Die Verzögerungen bei den Vergabeverfahren sind ein Anzeichen dafür, dass das Bewusstsein für diese Technologie und ihre verbundene Thematik unter Entscheidungsträgern zu fördern ist – zum Beispiel durch die Entwicklung gemeinsamer Normen.

Das größte technologische Problem betraf die Verfügbarkeit der Busse, die bisher hinter den Erwartungen zurückblieb. Dies dürfte sich jedoch verbessern, sobald die Probleme der Bauteilversorgung und der Zulieferindustrie gelöst sind. Busunternehmen und -zulieferer arbeiten auf täglicher Basis zusammen, um diese Problematik zu bewältigen.

Der Preis für einen Brennstoffzellenbus hat sich seit 2002 halbiert, stellt aber nach wie vor ein größeres Problem dar. Es hat sich ein neues Bündnis zwischen Städten und Regionen gebildet, um durch Skaleneffekte eine ausreichende kritische Masse für die Markteinführung kostengünstiger und zuverlässiger Fahrzeuge zu ermöglichen.

Topic: 
Collective passenger transport
Clean and energy-efficient vehicles
Region: 
Europe-wide
Country: 
Europe-wide
Author: 
Sabrine Skiker
26 Jan 2015
25 May 2015
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